Schicksal bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch die als unabänderlich empfundene Bestimmung oder den Lauf der Dinge, die sich der menschlichen Kontrolle entziehen. Der Begriff hat seine Wurzeln im althochdeutschen scickan („senden, fügen“) und wurde schon früh als Ausdruck für eine höhere Macht verstanden, die das Leben des Einzelnen oder den Verlauf der Geschichte lenkt. In Philosophie, Literatur und Recht taucht Schicksal als Deutung für Ereignisse auf, die nicht planbar (erratisch) oder durch Willenskraft veränderbar sind.
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Die Vorstellung von Schicksal ist tief in der Menschheitsgeschichte verwurzelt. Schon in den frühen Mythen Griechenlands und Roms bestimmten Göttinnen wie die Moiren oder Parzen, wann der Lebensfaden eines Menschen gesponnen, verknüpft und durchschnitten wird. Bei den nordischen Völkern übernahmen die Nornen 2 eine ähnliche Funktion – sie standen am Fuße der Weltenesche Yggdrasil und lenkten den Lauf des Lebens.
Auch im Orient ist Schicksal ein zentraler Begriff: Das türkische Kismet oder das arabische Qisma beschreiben eine göttliche Bestimmung, die jeder Seele zugeschrieben wird. Über Kontinente hinweg hat der Gedanke an eine höhere Ordnung, die das individuelle Leben steuert, Kulturen geprägt und Fragen nach Verantwortung, Freiheit und Gerechtigkeit aufgeworfen. 3

In religiösen Deutungen gilt das Schicksal oft als Ausdruck göttlichen Willens oder göttlicher Vorsehung.
In der griechischen Mythologie sind es die Moiren, in der römischen Mythologie die Parzen, die den Lebensfaden spinnen. Fortuna entscheidet über Glück und Unglück; unberechenbar, launisch und jenseits menschlicher Kontrolle.
Im Christentum und Judentum wird das Schicksal oft als Teil eines göttlichen Plans verstanden. Besonders prägend ist hier die Lehre von der Prädestination, wie sie Augustinus oder später Martin Luther betonten, also die Vorstellung, dass Gott schon vor der Geburt das Heil oder Verderben des Menschen bestimmt hat.
Das Konzept des Kismet betont eine göttlich vorherbestimmte Ordnung, die dennoch Raum für individuelle Entscheidungen lässt. So gilt das Schicksal zwar als vorgegeben, doch der Mensch trägt Verantwortung für sein Handeln.
Seit der Antike beschäftigt das Schicksal Philosophen. Schon bei den Stoikern war das Fatum eine unverrückbare kosmische Ordnung, der sich der Mensch fügen sollte, um innere Ruhe zu erlangen. Die Tragödien von Ödipus oder Odysseus erzählen vom vergeblichen Versuch, das Schicksal zu überlisten. Nur um ihm am Ende doch zu verfallen.
Andere Denker wie Aristoteles, später auch Immanuel Kant oder Jean-Paul Sartre, argumentierten, dass das Schicksal nicht alles bestimmt, sondern der Mensch durch Vernunft und Handeln sein Leben formen kann. In der modernen Philosophie tritt an die Stelle des unveränderlichen Schicksals oft der Determinismus, also die Vorstellung, dass jedes Ereignis, auch menschliche Entscheidungen, eine Ursache hat. Doch bleibt ein Restgeheimnis, ein unerklärbarer Spielraum, den viele bis heute Schicksal nennen. 4
In der Psychologie wird Schicksal weniger als göttliche Macht verstanden, sondern als Zusammenspiel innerer und äußerer Faktoren, die unser Leben prägen. Der ungarische Psychoanalytiker Lipot Szondi prägte den Begriff der Schicksalsanalyse. Er wollte verstehen, wie genetische Anlagen, familiäre Muster und unbewusste Entscheidungen die Lebenswege bestimmen – oft stärker, als uns bewusst ist.
Auch moderne Psychotherapien betrachten das Schicksal als eine Art Lebensaufgabe: Nicht das starre Ergeben in vermeintliche Vorherbestimmung, sondern die Chance, Muster zu erkennen, zu durchbrechen und aktiv ein anderes Schicksal zu gestalten.5
Im Alltag begegnet uns das Wort Schicksal in zahllosen Wendungen: „seinem Schicksal nicht entkommen“, „das eigene Schicksal in die Hand nehmen“ oder „ein schicksalhafter Augenblick“. Solche Ausdrücke zeigen, wie stark die Vorstellung von Schicksal unser Denken und unsere Sprache durchdringt. Manchmal als Bürde, manchmal als Hoffnung, gelegentlich auch als Erklärung für das an sich Unerklärliche.
Psychologisch ist Schicksal in einem Spannungsverhältnis zum Zufall: Während dieser für ursachenlose Ereignisse steht, vermuten wir beim Schicksal einen verborgenen Zusammenhang. Traditionell unterscheidet man:
Verdientes Schicksal, das aus eigenem Handeln erwächst,
Unverdientes Schicksal, das ohne eigenes Zutun eintritt, manchmal segensreich, manchmal tragisch.
So bleibt das Schicksal ein facettenreiches Konzept zwischen Unausweichlichkeit und Freiheit, Zufall und tiefer Ordnung.6
Quellen:
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