Eine Gewalttat oder ein sexueller Übergriff bringt Betroffene ohnehin in eine Ausnahmesituation. Doch manchmal kommt etwas hinzu, womit kaum jemand rechnet: Plötzlich müssen sie sich selbst erklären.
Warum bist du dort hingegangen?
Warum hast du dich nicht früher getrennt?
Warum hast du dich nicht anders verhalten?
Aus dem Menschen, dem etwas angetan wurde, wird in der Diskussion jemand, der sich rechtfertigen soll. Der Täter tritt in den Hintergrund. Das Opfer gerät unter Druck und steht vor einer besonders schwierigen Situation: Es muss nicht nur mit dem Geschehenen umgehen, sondern sich zugleich gegen den Eindruck verteidigen, selbst dafür verantwortlich zu sein.
Das nennt man Victim Blaming.
