Spam Anrufe: so reagieren Sie richtig

Fast sechs Millionen Spam Anrufe wurden im Jahr 2025 in Deutschland von Verbrauchern gemeldet. 1 Die Dunkelziffer von automatisch blockierten oder nicht gemeldeten Abzock-Versuchen dürfte diese Zahl noch einmal um ein Vielfaches übersteigen, was das Ausmaß der Belästigungen per Telefon zum Ausdruck bringt. Die lästigen Anrufer verfolgen dabei unterschiedliche Ziele, die von unerlaubter Telefonwerbung über gezielte Betrugsversuche bis hin zur Verleitung zu kostenpflichtigen Rückrufen reichen. 

    Auf die Frage vieler genervter Menschen, ob man sich gegen Spam Anrufe wehren kann, lautet die einfache Antwort: Ja. In unserem Beitrag erfahren Sie, wie man sie stoppt, welche rechtlichen Mittel es gibt und wie man verdächtige Nummern meldet.

    Spam Anrufe

    I. Was sind Spam Anrufe?

    Spam Anrufe sind unerwünschte, missbräuchliche und häufig wiederholte Kontaktaufnahmen über Mobil- oder Festnetznummern, die unterschiedlichen Zwecken dienen und regelmäßig dazu führen, dass Privatpersonen belästigt, verunsichert oder finanziell geschädigt werden. Je nach Zielsetzung lassen sich mehrere typische Erscheinungsformen unterscheiden:

    1. Unerlaubte Telefonwerbung

    Nicht selten versuchen Unternehmen oder von ihnen beauftragte Callcenter, Produkte oder Dienstleistungen telefonisch zu bewerben, obwohl dies in Deutschland nur zulässig ist, wenn der Angerufene zuvor ausdrücklich in die Nutzung seiner Rufnummer eingewilligt hat (§ 7 UWG). Besonders häufig betroffen sind Bereiche wie Strom- und Gasanbieter, Versicherungen, Zeitungsverträge oder Gewinnspiele.

    Beim Abschluss entsprechender Verträge sollte daher genau geprüft werden, ob sich in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen eine versteckte Einwilligung in telefonische Werbemaßnahmen findet. 1

    2. Ping-Anrufe

    Eine weitere verbreitete Masche sind sogenannte Ping-Anrufe. Dabei lässt der Anrufer das Telefon nur kurz klingeln und legt sofort wieder auf. Ziel ist es, den Angerufenen zu einem Rückruf zu bewegen, der häufig auf eine hochpreisige Rufnummer führt und so eine Kostenfalle auslöst. Die Nummern solcher Anrufe tauchen regelmäßig in aktuellen Spam-Anrufe-Listen auf. 2

    3. Gewinnspiele

    Ähnlich gelagert sind Spam Anrufe, bei denen angebliche Gewinne oder exklusive Gewinnchancen in Aussicht gestellt werden. Häufig werden unrealistische Preise versprochen, um den Angerufenen zur Wahl einer kostenpflichtigen Nummer oder zur Preisgabe persönlicher Daten zu bewegen. Ein tatsächlicher Gewinn existiert in der Regel nicht.

    4. Phishing und Telefonbetrug

    Besonders gefährlich sind Spam Anrufe, die gezielt auf Betrug ausgerichtet sind. Dabei versuchen die Anrufer, persönliche Daten zu erlangen, um diese für kriminelle Zwecke wie Identitätsdiebstahl zu nutzen. Häufig geben sie sich als Polizeibeamte, Bankmitarbeiter oder nahe Angehörige (sog. Enkeltrick) aus und setzen ihre Opfer gezielt unter Druck.

    Die verschiedenen Arten der Spam Anrufe zu kennen, ist der erste Schritt, um nicht auf die Maschen hereinzufallen, bevor dann weitere Maßnahmen gegen die belästigenden Anrufversuche vorgenommen werden können. Durch zunehmenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz, z. B. dem Deepfake, können bestehende Betrugstricks in Zukunft noch realistischer werden oder neue Maschen hinzukommen.

    Mehr über Betrügereien im Internet lesen Sie auch in unseren Beiträgen zum Thema Paypal Käuferschutz oder der Vinted Betrugsmasche.

    II. Spam Anrufe: so schützt man sich

    Wird man wiederholt Opfer von unerwünschten Kontaktaufnahmen, stellt sich die Frage: Wie stoppt man Spam Anrufe?

    1. Anruf nicht annehmen

    So simpel und doch so wirksam: Bei unbekannten Rufnummern ist es oft ratsam, den Anruf gar nicht erst anzunehmen. Mobilfunkanbieter wie die Telekom warnen ihre Kunden inzwischen automatisch, wenn eingehende Anrufe aus einer Datenbank als betrügerisch oder unseriös eingestuft sind („Vorsicht, möglicher Betrug!“). 3 Ein ähnliches Warnsystem nutzt mittlerweile auch Vodafone und auch die anderen Anbieter dürften zeitnahe nachziehen. 4 Solche Hinweise sollten ernst genommen werden, da gerade kurze oder gar nicht angenommene Gespräche das Risiko von Betrug und weiteren Spam Anrufen deutlich reduzieren.

    Spam Anrufe
    Bei einigen Anbietern werden verdächtige Rufnummern automatisch als möglicher Spam gekennzeichnet.

    2. Spam Anrufe bei Bundesnetzagentur melden

    Hat man Spam Anrufe erhalten, kann dieser Vorfall bei der Bundesnetzagentur über ein Online-Formular auf der Website, per E-Mail oder per Post/Fax gemeldet werden, wobei wichtig ist, den Vorfall möglichst genau zu dokumentieren. Die Behörde verfolgt den Missbrauch von Rufnummern, unerlaubte Werbung und andere Formen belästigender Anrufe und wertet Beschwerden aus.

    Die Beschwerde wird dann registriert, geprüft und bei Anhaltspunkten für einen Verstoß kann die Behörde Bußgeldverfahren einleiten oder technische Maßnahmen wie die Sperrung der Rufnummer anordnen. Die Ergebnisse werden regelmäßig in einer Maßnahmenliste veröffentlicht.

    Bei unerlaubter Telefonwerbung kann die Bundesnetzagentur beruhend auf § 7 UWG unerlaubte Spam Anrufe als Ordnungswidrigkeit mit empfindlichen Bußgeldern ahnden. Während ein Verstoß gegen das Verbot der unerlaubten Telefonwerbung mit bis zu 300.000 Euro sanktioniert werden kann, drohen bei unterdrückter Rufnummer zusätzliche Geldbußen von bis zu 10.000 Euro. 5

    3. Spam-Anrufe-Nummern sperren

    Auf den meisten Mobiltelefonen können Spam Anrufe effektiv abgewehrt werden, indem einzelne Rufnummern oder ganze Nummernbereiche gesperrt oder alternativ nur bekannte Kontakte zugelassen werden und auch Anrufe mit unterdrückter Rufnummer lassen sich vollständig blockieren. Ergänzend sind Telekommunikationsanbieter gesetzlich verpflichtet, mit der sogenannten Anonymous Call Rejection (ACR) eine kostenlose Funktion bereitzustellen, die anonyme Anrufe dauerhaft abweist (§ 15 Abs. 1 Satz 2 TDDDG).

    4. Anzeige bei Spam Anrufen

    Eine Anzeige wegen Betrugs bei der Polizei kommt insbesondere dann in Betracht, wenn die Anrufer eine Betrugsmasche anwenden, um an das Geld der Betroffenen zu gelangen. Dies gilt etwa bei falschen Polizeianrufen, angeblichen Bankmitarbeitern oder Schock- und Enkeltrick-Maschen, die bei Spam Anrufen aktuell vermehrt auftreten. Opfer sollten Spam-Anrufe-Nummern, Gesprächsinhalte sowie Zeitpunkt des Anrufs dokumentieren und der Polizei mitteilen. Anders als die Bundesnetzagentur kann die Polizei strafrechtliche Ermittlungen aufnehmen, insbesondere wenn bereits ein Schaden entstanden ist oder ein solcher konkret drohte.

    Spam Anrufe
    Bei Verdacht auf Telefonbetrug sollte eine Anzeige bei der Polizei erstattet werden.

    III. Fazit

    Wer sich konsequent an die genannten Tipps hält, kann das Risiko durch unerwünschte Anrufe belästigt oder um Geld gebracht zu werden deutlich senken. Unbekannte Nummern sollten ignoriert, Warnhinweise der Mobilfunkanbieter ernst genommen und verdächtige Anrufe bei der Bundesnetzagentur oder gar bei der Polizei gemeldet werden. Für die Anrufer können Spam Anrufe empfindliche Folgen haben, die von hohen Bußgeldern bei unerlaubter Telefonwerbung bis hin zu strafrechtlichen Ermittlungen bei Betrugsversuchen reichen. Mit Hinblick auf immer neue Möglichkeiten des Betruges mithilfe von KI, gilt es wachsam zu bleiben.

    IV. FAQ

    Anrufe von unbekannte Nummern sollten nicht angenommen, Warnhinweise der Mobilfunkanbieter beachtet und auffällige Spam-Anrufe-Nummern konsequent blockiert werden. Zusätzlich helfen Meldungen bei der Bundesnetzagentur.

    Ja, unerlaubte Telefonwerbung stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und kann mit hohen Bußgeldern geahndet werden. Bei Betrugsversuchen ist zudem eine Anzeige bei der Polizei möglich.

    Belästigende oder unerlaubte Anrufe können bei der Bundesnetzagentur gemeldet werden, etwa über das Online-Formular oder per E-Mail. Bei konkretem Betrugsverdacht sollte zusätzlich die Polizei informiert werden.

    Wiederholte, fortdauernde Anrufe können über bloßen Spam hinausgehen und anderweitig strafrechtlich relevant werden. Wann aus hartnäckigen Kontaktversuchen strafbares Stalking wird, zeigt unser Beitrag.

    Quellen: 

    1. vgl. https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Vportal/TK/Aerger/Faelle/UEW/start.html
    2. vgl. https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Vportal/AnfragenBeschwerden/Beschwerde_Aerger/start.html
    3. vgl. https://www.deutschlandfunk.de/telekom-startet-warnsystem-gegen-betrugsanrufe-100.html
    4. vgl. https://newsroom.vodafone.de/41-millionen-warnmeldungen-vor-gefaehrlichem-telefonbetrug?
    5. vgl. MüKoUWG/Brammsen, 3. Aufl. 2022, UWG § 20 Rn. 102ff.
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    Max Scherer

    Jurawelt Redaktion

    Max Scherer

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    • Student der Rechtswissenschaften an der Universität Augsburg
    • Schwerpunktbereich: Kriminalwissenschaften
    • Auslandsaufenthalt am Chicago-Kent College of Law (USA)

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    • Redakteur & Studentischer Mitarbeiter
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