Die Telemedizinplattform Dr Ansay steht aktuell in der Kritik: Ein Dr Ansay Datenleck mit bis zu 1,7 Millionen Rezepten, ein Urteil wegen Verstößen gegen das Heilmittelwerbegesetz sowie Zweifel an der Legalität von Online-Cannabis-Rezepten werfen zentrale rechtliche Fragen auf. Viele Nutzer fragen sich daher: Ist Dr Ansay legal? Wie funktioniert das Dr Ansay Rezept? Und was ist beim Dr Ansay Datenleck passiert?
Die kurze Antwort zur Frage „Ist Dr Ansay legal?“: Das Geschäftsmodell ist grundsätzlich nicht per se unzulässig, allerdings hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass bestimmte Werbeformen gegen das Heilmittelwerbegesetz verstoßen können. Eine ausführliche Erklärung zu allen aufgeworfenen Fragen liefert der Beitrag.




Die Kritik an den “sogenannte[n] Pseudo-Patienten” sollte man schon etwas differenzierter betrachten.
Zunächst mal wäre da der Punkt, dass es nach wie vor keine legale, praktikable Bezugsquelle für die breite Masse der Konsumierenden gibt. Die sind nämlich zum allergrößten Teil Gelegenheitskonsumenten und für einen Bedarf von vielleicht 2-3g im Jahr ist der zeitliche und finanzielle Aufwand der mit Eigenanbau oder Engagement in einer Anbauvereinigung verbunden ist eher unrealistisch. Die Alternative wäre also weiterhin Schwarzmarkt und Mafia mit potentiell gefährlich gestrecktem Cannabis. Das kann niemand ernsthaft wollen.
Die Verknappung von medizinischem Cannabis durch die Nachfrage von Freizeitkonsumierenden wird zwar immer mal wieder als Befürchtung formuliert – so auch im verlinkten ZDF-Artikel – aber dafür, dass das tatsächlich als Problem von relevantem Umfang wäre habe ich bislang noch keine Belege gesehen. Gleichzeitig ließ sich im Zuge der Entkriminalisierung beobachten, dass es zu einer erheblichen Ausweitung von Anbietern und angebotenen Sorten kam, nicht zuletzt getrieben durch die Nachfrage durch “Rezeptmissbrauch” von Freizeitkonsumierenden. Eine Entwicklung also die für die Versorgung der medizinischen Nachfrage eindeutig positiv ist. Dort wo es tatsächlich Versorgungsengpässe gibt scheinen die eher auf der Angebotsseite zu entstehen, vor Allem weil die Hersteller angebotene Sorten häufiger einstellen oder einzelne Ernten/Chargen größere Unterschiede aufweisen. Zudem wird vereinzelt auch davon berichtet, dass einzelne Sorten entweder unter Handelsnamen verkauft werden die mit den tatsächlichen Sorten wenig zu tun haben oder Sorten sogar falsch deklariert werden. Allesamt also Praktiken die gerade für Patienten die auf ihre jeweils benötigte Sorte eingestellt und angewiesen sind ein ziemliches Problem ist.
Und keine Frage: natürlich verfolgen Ansay und Co. eher fragwürdige Geschäftsmodelle. Würde man endlich legale und regulierte Bezugswege schaffen, etwa in Form lizenzierter und kontrollierter Fachgeschäfte hätten sie sich wohl recht schnell erledigt. Dennoch muss man zugestehen, dass sie gegenüber den Zuständen vor April ´24 immerhin ein Fortschritt sind.