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Melbourne
Auslandsstudium in Melbourne


Universität:
Monash University, http://www.monash.edu.au
Juristische Fakultät: http://www.law.monash.edu.au

Die Stadt

Melbourne ist mit ca. 3,5 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Australiens. Da aber alle Australier ihr Einfamilienhäuschen haben, ist die Stadt flächenmäßig gewaltig und außerhalb des Stadtzentrums und einiger studentisch geprägter Viertel recht gleichförmig. Im Sommer wird es regelmäßig sehr heiß (bis zu 40°C), im Winter bleiben die Temperaturen monatelang konstant bei 10 bis 15°C und man sieht die Sonne selten. Am regenreichsten ist der Frühling; dabei leidet aber die Gegend von Melbourne seit Jahren unter einer extremen Dürre, so dass die meisten Teiche und Springbrunnen trocken bleiben und die Bevölkerung zum Wassersparen aufgerufen ist. Das geht so weit, dass man nicht mehr als drei Minuten lang duschen sollte!
Die Sehenswürdigkeiten in Melbourne sind schnell abgeklappert; bei Backpackern und Studenten ist die Stadt mehr wegen ihres Nachtlebens beliebt. Sehr zu empfehlen zu jeder Jahreszeit ist ein Trip entlang der Great Ocean Road, während man die Pinguinparade eher im Sommer besuchen sollte, wenn man nicht zwei Stunden lang bibbernd auf das Auftauchen von fünf kleinen Pinguinen in der Brandung warten will. Man ist aber auch von Melbourne aus schnell in Tasmanien und Sydney, beides sehr lohnende Reiseziele (für Tasmanien sollte man sich besser zwei Wochen Zeit nehmen).

Vor der Einreise

Ich nahm an einem Austauschprogramm meiner Uni teil, kann daher zum normalen Bewerbungsverfahren nichts sagen. Ich musste nur ein recht kompliziertes Formular ausfüllen und meine Scheine übersetzen, aber keinen TOEFL und auch keine Gutachten einreichen. Kurz nachdem ich meine Bewerbung eingereicht hatte (Mitte Dezember), erhielt ich eine E-Mail mit zwei Anhängen: einer Übersicht über die Kurse, für die ich vorläufig eingeschrieben war, sowie ein Formular namens "acceptance", das auszufüllen und an die Uni zurückzufaxen war. Sämtliche Auslandskontakte werden vom International Office der Monash University verwaltet, wo man einen festen Ansprechpartner hat. Derzeit (2004/2005) ist das Santina Cotela.

Die Studiengebühren (2005: 10.000 AUD pro Semester, was voraussichtlich auf absehbare Zeit jährlich um ca. 10% steigen wird) sollte man per Kreditkarte bezahlen; die anderen beiden in der acceptance vorgeschlagenen Möglichkeiten (bank draft und telegraphic transfer) scheiterten zumindest bei meiner Bank (HypoVereinsbank) daran, dass die Bank sie nicht kannte. Die Kreditkarte sollte eine eigene sein und natürlich über ein ausreichendes Limit verfügen. Die für die Visumsbewerbung wichtige Confirmation of Enrolement (COE) wird normalerweise zwei bis drei Tage, nachdem die acceptance gefaxt wurde, per E-Mail zugesendet. Wenn sich nichts tut, sollte man unbedingt in Melbourne nachhaken; in meinem Fall wechselte leider ohne jegliche Warnung und offenbar auch ohne geregelte Übergabe der Sachbearbeiter, so dass es zu Verzögerungen kam.

Mit der COE kann man sich dann für ein Visum bewerben. Eine Bewerbung über das Internet ist zunächst bequem, hat aber den Nachteil, dass Visa für Studenten, die zwei Semester bleiben, pauschal für 12 Monate ausgestellt werden, so dass man sich einer ärztlichen Untersuchung bei einem Vertragsarzt stellen muss. Das kostet zum einen Zeit und Fahrtkosten, zum anderen verlangen die Ärzte Honorar für die Untersuchung (bei mir insgesamt 100 € für Allgemeinarzt und Radiologen). Außerdem müssen die Untersuchungsergebnisse auf eigene Kosten nach Berlin versendet werden. Das Visum erhält man dann aber innerhalb weniger Tage per E-Mail.
Das Formular für den Radiologen muss übrigens nicht zu Hause, in der Internet-Version, ausgefüllt werden, da der Radiologe das Originalformular verwenden muss, das eine verschließbare Tasche für den Befund enthält, die beim Internetformular naturgemäß fehlt.

Den Flug habe ich über ein normales Reisebüro gebucht und drei Monate vor Abflug für Hin- und Rückflug (mit offenem Rückflugdatum) mit Air Emirates etwas über 1.000 € bezahlt.

Informationen vor Ort

Broschüren etc. gibt es am Touristeninformationskiosk in der Bourke St. sowie am zentralen Informationszentrum am Federation Square. Empfehlen kann ich daneben die wochentäglich erscheinende, kostenlose Zeitung MX, die nachmittags im Stadtzentrum ausliegt – ein paar Nachrichten, ein bisschen Klatsch und ein Kino- und Fernsehprogramm.
Für Leseratten sind die kostenlosen öffentlichen Leihbüchereien ein Paradies! (Und überseht nicht die kleine Bücherei im Campus Center, neben dem Wholefoods!)
Ein Muss für längere Aufenthalte und Reisen ist ein guter Reiseführer, empfehlen kann ich an oberster Stelle aus eigener und fremder Erfahrung den Klassiker "Lonely Planet Australia".

Orientierung in Melbourne

Einen brauchbaren Faltstadtplan gibt es nicht, ich empfehle das gelbe Compact Street Directory des Verlags UBD. Bei der Orientierung ist extrem wichtig, dass es so gut wie jeden Straßennamen mehrfach gibt, man also das Stadtviertel (Suburb) kennen und auf die genaue Straßenbezeichnung (Road, Street, Avenue etc) achten muss. Praktisch ist ein detaillierter Plan der Innenstadt (CBD), den man kostenlos am oben erwähnten Kiosk erhält.

Transport

Der Öffentliche Nahverkehr hat mich in den ersten Wochen unglaublich gefrustet, obwohl er für australische Verhältnisse gut ist. Die Haltestellen der Mettrains (entsprechend der S-Bahn) sind im Stadtplan eingezeichnet, genauso die Straßenbahnstrecken, letztere aber ohne Haltestellen, die auch sonst nirgendwo vollständig zu erfahren sind. Als grobe Orientierung kann dienen, dass die Straßenbahn fast immer an Ampeln halten wird, die zumindest in dem o. g. Stadtplan eingezeichnet sind. Auch welche Straßenbahn an einer bestimmten Straße verkehrt, kann man nur dem sehr groben allgemeinen Linienplan entnehmen. Busse werden von den verschiedensten privaten Unternehmen betrieben, eine umfassende Liste mit Linien, Haltestellen und Abfahrtzeiten habe ich nur unter http://www.alphalink.com.au/~parkerp/meltrip.htm gefunden.
Wenn man Austauschstudent ist und nicht direkt am Campus wohnt, sollte man sich eine sog. Concession Card besorgen, für die man eine Bescheinigung der Uni braucht (erhältlich an den Student Service-Schaltern); die erlaubt den Kauf von verbilligten Tickets.
Zur Monash University, Campus Clayton, kommt man am billigsten, indem man an der Huntingdale Station aussteigt und von dort einen Bus zur Uni nimmt; dafür braucht man nur ein Ticket der Zone 1, während für eine Fahrt zur nächsten Station Clayton, die auch nicht näher am Campus liegt, ein deutlich teureres Ticket der Zone 2 fällig wird.

Vorläufige Unterkunft

Wenn die Wohnungssuche erst vor Ort beginnen soll, benötigt man mindestens für die erste Woche ein Hotel. Mit der Buchung sollte nicht zu lang gewartet werden, da natürlich die billigen Zimmer als erstes weg sind und außerdem in Melbourne Anfang März der Grand Prix stattfindet (in dieser Zeit ist es unmöglich, ein Hotelzimmer zu finden). Einige Adressen von Backpacker-Hotels sind im "Prearrival-Package" der Uni enthalten, das man sich von der Homepage herunterladen kann. Diese Hotels sind zum einen billig, zum anderen trifft man dort sehr schnell andere internationale Studenten und ortskundige Backpacker, von deren Erfahrungen man profitieren kann. Buchen sollte man telefonisch und dabei - zumindest wenn man in der Nacht ankommt - nach einer 24-Stunden-Rezeption fragen, die durchaus keine Selbstverständlichkeit ist (ich verbrachte meine erste Nacht in Melbourne im Aufenthaltsraum eines Hostels). Die von der Monash Uni empfohlenen Hotels haben den einen Vorteil, dass sehr viele Austauschstudenten dieser Uni der Empfehlung folgen, man also schon zukünftige Kommilitonen treffen kann; abgesehen davon gibt es aber noch zahlreiche andere solche Hotels in Melbourne.
Zur Not kann man auch mehrere Wochen in solchen Hostels bleiben, das machen viele Backpacker, und viel teurer als eine eigene Wohnung ist es auch nicht.

Wohnen

Es ist möglich, sich schon vor der Ankunft in Melbourne einen Platz in einem Studentenwohnheim zu sichern. Das hat den Vorteil, dass man schnell Kontakt zu anderen (Austausch-)Studenten knüpft und voll am Campusleben teilnehmen kann; andererseits liegt der Jura-Campus (Clayton) in ca. 50 min Entfernung von der Innenstadt in einem reinen Wohnviertel, und Wohnheimzimmer sind zudem relativ teuer. Ich habe mich daher für eine WG (mit Australiern) entschieden. Besonders beliebt bei internationalen Clayton-Studenten sind die Viertel Sankt Kilda, Prahran und Balaclava, wo auch das Nachtleben Melbournes sein Zentrum hat. Für ein Zimmer sind Preise von 100 bis 150 AUD pro Woche normal (in Annoncen werden fast ausschließlich die Wochenpreise angegeben). Viele brauchbare Anzeigen findet man in der Mittwochs- und Samstagsausgabe von "The Age", der wichtigsten Melbourner Tageszeitung (http://www.theage.com.au). Weniger hilfreich, wenn man eher im Stadtzentrum wohnen will, ist der Monsu Accomodation Service am Caulfield Campus, dessen Anzeigen auch vollständig online, aber nach meiner Erfahrung nicht sehr aktuell sind. Daneben gibt es im ganzen Stadtgebiet schwarze Bretter mit Wohnungsanzeigen; alle Adressen dieser schwarzen Bretter findet man beim Monash Housing Office am Clayton Campus (Gebäude Campus Center). Für zentrumsnahe Wohnungen kann man auch zum schwarzen Brett der Melbourne University gehen, das ist um einiges aktueller als die Monsu-Datenbank.
WGs sind in Melbourne nicht nur unter Studenten üblich, auch viele Berufstätige nutzen die Möglichkeit, sich die Miete eines Hauses zu teilen. Legt man Wert darauf, mit ungefähr Gleichaltrigen zusammen zu wohnen, sollte man schon am Telefon nach den eventuellen Mitbewohnern fragen.
Bei der Wohnungssuche sollte man unbedingt darauf achten, ob die Wohnung bzw. das Haus Zentralheizung hat. Der Winter in Melbourne ist lang und ziemlich kalt und die Häuser sind sehr schlecht isoliert, so dass jeder, der keine Heizung im Haus hat, auf Heizlüfter zurückgreifen muss, was sich bei der Stromrechnung unangenehm bemerkbar macht und zu Konflikten mit den Mitbewohnern führen kann.

Finanzen

Traveller Cheques fand ich sinnlos, sie werden nur von wenigen Geschäften akzeptiert.
Sehr wichtig ist ein (kostenloses) Studentenkonto bei der Deutschen Bank, da diese mit der Westpac Banc bzw. Banc of Melbourne ein Abkommen hat, das kostenlose Abhebungen an den über die ganze Stadt (und ganz Australien sowie Neuseeland) verteilten Geldautomaten ermöglicht. Daneben ist eine Kreditkarte fast unverzichtbar. Ein australisches Bankkonto musste ich nicht eröffnen, da Rechnungen bei der Post bar bezahlt werden können und auch für die Miete Barzahlung durchaus üblich ist.

Jurastudium in Australien für Australier

Das Jurastudium ist in Australien grundsätzlich den besten Schulabgängern vorbehalten, und es herrscht ein lebhafter Wettbewerb zwischen den juristischen Fakultäten, wobei die Monash University nach der Melbourne University ganz vorn liegt. Studenten der "Eliteuniversitäten" haben auf dem Arbeitsmarkt keine Schwierigkeiten zu befürchten, während die Aussichten anderer Absolventen ganz von der Note abhängen. Niemand studiert nur Jura, ein Doppelabschluss (Jura/Wirtschaft, Jura/Naturwissenschaft) ist die Regel und zum Teil auch vorgeschrieben.
Die Schule dauert nur zwölf Jahre und es gibt keinen Wehr- bzw. Zivildienst, entsprechend sind die meisten Erstsemester erst siebzehn oder achzehn Jahre alt; für Studenten, die älter als 23 Jahre sind (sog. "mature age students"), sowie für Teilzeitstudenten gibt es besondere Unterstützungsangebote der Universität. Wer ein Jahr lang mehr als einen gewissen Betrag durch eigene Arbeit verdient, beweist damit, dass er von den Eltern unabhängig ist und erwirbt Anspruch auf staatliche Studienförderung. Dementsprechend arbeiten nach meinem Eindruck die meisten Studenten neben dem Studium und sie bringen diese Erfahrungen auch in die Vorlesungen ein. Dank des hohen Ansehens der Monash University können nur die Leistungsbesten eines Jahrgangs dort studieren; ein überproportionaler Anteil hat zuvor private Schulen besucht (und stammt daher eher aus begütertem Elternhaus). Die Studenten sind entsprechend selbstbewusst und beklagen sich durchaus in der Vorlesung, wenn sie sich von den Aufgabenstellungen des Dozenten überfordert fühlen. Der entsprechende Dozent schimpfte zurück, er hätte noch nie so unselbstständige Studenten erlebt und sie (ich fühlte mich nicht angesprochen) wollten ja wohl zu Fachidioten ausgebildet werden und er werde diese Vorlesung nie wieder anbieten! Man staunt. Ansonsten unterscheiden sich die Vorlesungen aber kaum von deutschen, von weit häufigeren Bezügen zu Gesetzgebung und Rechtsprechung von Staaten mit ähnlichem Rechtssystem (v. a. GB und USA) einmal abgesehen.

Studieren an der Monash University (Clayton Campus)

Worauf man bei der Planung achten sollte: Die Liste der Veranstaltungen, die man im Course Handbook auf den Internetseiten der Universität findet, ist nur eine Liste theoretisch oder historisch angebotener Veranstaltungen, das tatsächliche Angebot ist deutlich eingeschränkter.

Studienbedingungen

Am Anfang eines Semesters geben die Dozenten bekannt, welche Bücher gekauft werden müssen (in der Regel eins pro Fach), und nur mit diesen Büchern wird gelernt, wobei nicht jedes gekaufte Buch auch tatsächlich für die Abschlussklausur gebraucht wird (ich kann persönlich vor dem Kauf von teuren "Annotated Acts" warnen, die deutschen Kommentaren entsprechen). Da von jedem Studenten erwartet wird, die benötigten Lehrbücher selbst zu besitzen, gibt es in der Fachbibliothek von diesen Büchern nur wenige Exemplare, die alle zu eine Sonderbestand gehören, der nur sehr beschränkt ausleihbar ist. Die Lehrbücher des Präsenzbestandes waren nach meiner Erfahrung sämtlich mindestens zehn Jahre alt (und die Bestände zum deutschen Recht ungefähr dreißig Jahre). Zum Lernen wich ich daher manchmal auf die Staatsbibliothek im Zentrum Melbournes aus.
Von den Computer-Pools und über die eigene Kennung hat man Zugang zu äußerst zahlreichen juristischen Datenbanken und Zeitschriften. Für das Recherchieren erhält man pro Semester ein Internet-Kontingent (für Juristen sehr beschränkt); wenn dieses ausgeschöpft ist, muss man weitere Internet-Zeit nachkaufen.

Die Dozenten geben teilweise auch eine Sammlung von Artikeln in Skriptform heraus, die sie für eine sinnvolle oder notwendige Ergänzung des Lehrbuchs halten. Zu Beginn eines Semesters erhält jeder Student eine Vorlesungsübersicht, in der noch weitere Literaturhinweise und eine Übersicht über das ganze Semester enthalten sind.

Es ist üblich, aber nicht notwendig, die Vorlesungen am Laptop mitzuschreiben. Manche Vorlesungen werden außerdem aufgezeichnet, so dass man auch sich überschneidende Veranstaltungen belegen und dann die versäumte Vorlesung nachträglich anhören kann (vorausgesetzt, die Technik hat mitgespielt, oft sind die Aufzeichnungen zu leise oder ganz fehlgeschlagen). Die Vorlesungsmaterialien - insbesondere alle Overheadfolien - werden ins Internet gestellt.

Hausarbeiten

Hausarbeiten (Research Papers oder Assignments) können nach meiner Erfahrung freiwillig in jedem Fach geschrieben werden und ersetzen dann einen Teil der Semesterabschlussklausur; in Fächern des materiellen Rechts ist dies der sonst obligatorische Aufsatzteil, der bis zu 40 % der Note ausmacht. Für gewöhnlich werden die Themen dieser Ersatz-Hausarbeiten vom Dozenten vorgegeben. In anderen Vorlesungen sind diese Hausarbeiten Pflicht; dabei kann es vorkommen, dass die Themen nicht von den Dozenten gestellt werden, sondern man ein eigenes Interessengebiet benennen und einen Vorschlag einreichen muss (Überschrift, grober Inhalt und eine grobe Gliederung genügen).
Sehr ungewohnt waren für mich die oft nicht-juristischen Fragestellungen in diesen Hausarbeiten; so behandelte ich in Hausarbeiten zum Seerecht unter anderem die Biologie des Thunfischs und die peruanische Fischereiwirtschaft - Grund für so manche Nervenkrise und nähere Bekanntschaft mit allerlei exotischen Internetseiten.

Klausuren

Alle meine Klausuren waren open book exams; das ist schön, weil man die Fälle nicht im Detail auswendig können muss, aber eine Vorbereitung ersetzt es natürlich nicht. Die Bearbeitungszeit schwankt zwischen ein und vier Stunden, oft mit zusätzlicher Lese-Zeit. Falllösungen in Klausuren sind vom Niveau her eigentlich ziemlich einfach, können aber ohne ein bisschen vorherige Übung trotzdem ziemlich schwierig werden. Zu Anfängervorlesungen gibt es Tutorien, in denen die Falllösungstechnik geübt wird (glaube ich, ich habe selbst keine solchen Vorlesungen gehabt), und die Professoren besprechen ein, zwei Fälle gegen Ende der Vorlesungszeit; außerdem geben sie oft alte Klausuren mit Beispiellösung eines Studenten heraus.
Was die Klausuren selbst angeht, so gibt es für Austauschstudenten eine besondere Regelung, wonach man pro Klausur 30 Minuten mehr Zeit erhält; zudem dürfen Wörterbücher benutzt werden (wofür aber kaum Zeit bleibt). Auch unabhängig davon nehmen die Dozenten nach meiner Erfahrung Rücksicht auf die besondere Situation von Austauschstudenten. Als ich nach dem offiziellen Klausurenplan der Fakultät zwei Klausuren (mit insgesamt sieben Stunden Schreibzeit) an einem Tag hätte schreiben sollen, erlaubte mir eine Dozentin sogar, die Klausur in ihrem Fach einen Tag später zu schreiben. Ansonsten ist aber der Kontakt zu den Dozenten auch nicht enger als an einer kleinen Uni in Deutschland (und die Fakultät studentenmäßig nicht größer).

Einzelne Vorlesungen
  • Administrative Law: Hatte ich gewählt, weil ich Vorkenntnisse hatte. Massenvorlesung, die unter Australiern als ziemlich schwierig gilt. Der Unterschied zum deutschen Verwaltungsrecht ist schon gelegentlich spannend, aber wer sich schon vertieft mit englischem admin law beschäftigt hat, wird nichts dazulernen.

  • Competition Law: Mehr Kartell- als Wettbewerbsrecht, fand ich sehr interessant, und sei es nur, dass man mehr über australische Firmen lernt. Außerdem ist australisches Competition Law im Wesentlichen kodifiziertes amerikanisches Anti Trust Law.

  • International Environmental Law: Nette Professorin, nicht zu schwer und auch ohne Völkerrecht AT-Kenntnisse zu überleben. Die Bewertung bestand aus einer HA, deren Thema man selbst wählen konnte, und einem "Take Home Exam" - drei aus fünfzehn Fragen, die daheim zu bearbeiten waren.

  • Law, Gender and Feminism: Na, man muss ja nicht jeder These zustimmen, und auf deutsches Recht ist auch nicht alles übertragbar, aber immerhin ist diese Form der Rechtsanalyse in Deutschland fast unbekannt, in Australien dagegen fest etabliert und eröffnet gelegentlich sehr interessante neue Sichtweisen. Sehr entgegenkommende Professorin.

  • International Law of the Sea: Ob es diese Vorlesung noch mal geben wird? (Das war der erboste Prof von oben) Nur für Leute, die sich wirklich dafür interessieren, sonst mindert es den Studiengenuss. Vier Hausarbeiten zwischendurch und eine zum Abschluss, und der Prof bevorzugt die sokratische Methode: Der Student lernt an der Bearbeitung unbekannter Fragen. Allerdings gibt's auch keine Auflösung. Frustrierend, aber wenigstens eine Erfahrung, an die ich noch lange zurückdenken werde!

  • Intellectual Property: Gute (junge) Professorin, interessant. Und die Klausur auch nicht zu schwer. Das Recht ist inhaltlich an Amerika angelehnt, aber nicht deckungsgleich. Mag sich ändern aufgrund des eben abgeschlossenen Freihandelsabkommens.

  • International Criminal Law: Gute Professorin, äußerst interessant. Wenig case law, naturgemäß (es geht hauptsächlich um die Fälle des Jugoslawientribunals).

Sehr empfehlen kann ich zusätzlich den Kurs "Australische Landschaften" - wesentlicher Bestandteil dieses für Austauschstudenten geschaffenen Kurses sind zwei Campingausflüge, in den Grampians National Park und zur Wilson's Promontory. Wer schon immer mal Wombats über die Wiesen scheuchen oder sich von Papageien das Frühstück klauen lassen wollte, ist in dieser "Vorlesung" gut aufgehoben, außerdem trifft man natürlich viele andere Austauschstudenten.

Sonstige Aktivitäten am Campus

An der Monash University gibt es ein reiches Angebot an Sport- und sonstigen Gruppen zur Freizeitgestaltung. Für Jurastudenten besonders empfehlenswert ist die Law Students Society, die in etwa Fachschaftsaufgaben übernimmt (nicht zu empfehlen ist leider die wenig aktive International Law Students Society). Fast jeder internationale Student ist daneben Mitglied beim Bushwalking Club, und sei es nur, um gegen wenig Geld für die Ferien Ausrüstung (Rucksäcke, Zelte etc) ausleihen zu können. Auch gibt es ein studentisches vegetarisches Restaurant im Campuscenter, das zum einen kulinarisch zu empfehlen ist (auch für Nichtvegetarier - nach einhelliger Meinung das beste Essen am Campus), zum anderen fast immer Freiwillige sucht, die gegen Essensgutscheine in der Küche oder hinter der Theke helfen. Der Einstieg ist auch mitten im Semester möglich, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich und man wird sehr herzlich aufgenommen.
Außerdem bietet das Shortcourse-Center kostenpflichtige (aber nicht sehr teure) Kurse zu allen möglichen Themen an, sehr ähnlich einer Volkshochschule.
Zuletzt sei auch noch empfohlen, das bunte Angebot an Vorträgen, Moot Courts und Seminaren wenigstens als Zuschauer zu nutzen. In der Regel kostet die Teilnahme nichts, und man erhält wertvolle Einblicke in das Rechtssystem, die in einer Vorlesung nicht vermittelt werden können.

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