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Coventry
Bericht über den Auslandsaufenthalt in Coventry


Nach dem zweiten Semester an der Universität Saarbrücken entschloss ich mich, ein Auslandsjahr an einer englischsprachigen Universität zu absolvieren.

Bewerbung
Die Uni Saarbrücken hat, wie eigentlich jede Universität eine Einrichtung, die das Austauschprogramm mit den Partneruniversitäten betreut (Erasmus). Ich stellte mich also bei einer der Beauftragten vor und füllte einen Fragebogen aus. Am liebsten wäre ich natürlich nach Amerika gegangen, doch die dortige Partneruniversität vergab nur einen Platz für die gesamte (!) Uni Saarbrücken, d.h. Studenten aller Fachbereiche bewarben sich um diesen einen Platz. Da ich wusste, dass meine Chancen diesen Platz zu bekommen vergleichsweise gering waren, entschied ich mich für England. Im Zuge des Auswahlverfahrens musste ich noch ein Motivationsschreiben verfassen, welches dann mit meinem Fragebogen samt Lichtbild an die Partneruniversität weitergeleitet wurde. Ich war positiv überrascht wie unkompliziert der Bewerbungs- und Auswahlvorgang vonstatten ging. Nach einiger Zeit bekam ich dann direkt von der Partneruniversität ein Schreiben über meine Aufnahme an der Conventry University.

Studienangebot
So ich ging also für 3 Terms (1 Jahr, in England haben sie Trisemester) nach England an die Coventry University, die sich ca. 35 km von Birmingham befindet.

Das Studienangebot an der Conventry University ist breit gefächert, je nach Abkommen mit der Partneruniversität in Deutschland kann man in ziemlich jedem Fach Kurse belegen, speziell für die Universität konzentrierte sich das Austauschprogramm eben auf die Wirtschafts- und rechtwissenschaftlichen Fächer. Im juristischen Bereich werden Vorlesungen/Seminare für den allgemeinen Studiengang des englischen Rechts angeboten. Über das Erasmus-Austauschprogramm hinaus bietet die Universität auch die Möglichkeit, ein Masterprorgramm im Employment Law, International Law oder International Business Law zu absolvieren.

Unterkunft
Die Universität vermittelt für internationale Studenten Wohnplätze, die sich z.T. auf dem Campus oder in der näheren Umgebung der Universität befinden. Da ich vorhatte für ein Jahr dort zu studieren, wurde mir ein Zimmer in einem der Häuser zugeteilt, die Zimmer auf dem Campus sind den Studenten vorbehalten, die nur ein Semester an der Uni studieren wollen.

Das Semester begann in der zweiten Oktoberwoche, da ich aber bereits ab September mein Zimmer bezahlen musste, entschied ich mich, schon vier Wochen vor Vorlesungsbeginn nach England zu gehen. Das war, wie sich später herausstellte, ein Fehler. Ich konnte zwar direkt mein Zimmer in dem Haus beziehen, jedoch war niemand vor Ort / an der Uni darauf eingestellt, dass ich schon so früh ankommen würde. Ich musste mich also damit abfinden, dass ich keinen Studentenausweis bekam (der jedoch essentiell dafür ist, ein günstiges Busticket zu erwerben) und mir an meinem ersten Tag in England alles von der Bettwäsche bis hin zu Lebensmitteln selbst organisieren musste. So verbrachte ich die nächsten Wochen damit, mich auf eigene Faust in der neuen Umgebung zurechtzufinden.

Studienablauf
Die Dinge änderten sich schlagartig mit Semesterbeginn, als auch die anderen internationalen Studenten eintrafen. In der ersten Vorlesungswoche gab es, organisiert von dem International Office der Universität und den Erasmus Ansprechpartnern, eine Einführungswoche für die Austauschstudenten (vergleichbar mit der Einführungswoche für die Erstsemester in Deutschland). Uns wurde auch unser Ansprechpartner der juristischen Fakultät vorgestellt, ein Professor, der deutsches Recht lehrte und somit auch gut Deutsch sprach, was für mich natürlich perfekt war.

So begann also das Semester. Zu den Vorlesungen ist zu sagen, dass ich bereits im Zuge der Bewerbung (ca. 4 Monate vor Vorlesungsbeginn) von der Uni ein Infopaket über alle angebotenen Veranstaltungen zugeschickt bekam und schon vorab meine Fächer und AGs wählen musste. So wurde von der Uni festgelegt und geplant, wie viele Leute einen Platz in einer Vorlesung/AG bekamen. Ich bekam also noch vor Vorlesungsbeginn meinen Stundenplan und wusste bei Vorlesungsbeginn schon genau, wann und wo meine gewählten Veranstaltungen stattfinden würden.

Prüfungen
Ich besuchte viele verschiedene Vorlesungen und schrieb auch die Prüfungen mit. An dieser Uni war es die Regel, dass man jedes Semester in den belegten Fächern 1-2 Essays (Hausarbeiten) im Umfang von 2500-4000 Wörtern abgeben musste. Die Klausuren wurden am Ende des Semesters in einer zweiwöchigen Prüfungsphase geschrieben, davor hatte man einen Monat vorlesungsfrei um sich gut vorbereiten zu können. In England gibt es nicht, wie in Deutschland, eine Zwischenprüfung oder ähnliches. Man belegt für jedes Jahr seine Kurse (Modulsystem) und schließt diese mit den oben beschriebenen Leistungen ab. Nach drei Jahren hat man dann den Bachelor in der Tasche, wobei man jedoch im Vergleich zu Deutschland auf seine gewählten und geprüften Fächer festgelegt ist und sich nicht nach Abschluss des Studiums frei entscheiden kann, in welchen Bereich man gehen will.

Sprache
Das Sprachniveau ist sehr hoch, gerade Fachtexte sind zum Teil recht schwierig zu verstehen. In den Vorlesungen versteht man ca. 70%, was sich jedoch mit der Zeit reguliert, wenn man sich an die Fachsprache gewöhnt hat. Die Universität bietet dafür auch extra Sprachkurse an.§§

Anrechnung in Deutschland
Die Prüfungsleistungen, die ich in England ablegte, wären an der Universität Saarbrücken leider nicht angerechnet worden, mein Glück war jedoch, dass ich nach meinem Auslandsjahr an die Universität Mannheim wechselte, die eine Sonderregelung für im Ausland erbrachte Leistungen hat.

In Mannheim ist das System wie folgt: Sofern man im Ausland 1 Klausur im Umfang von 90-120 Min. besteht, 1 Essay von ca. 5000 Wörtern geschrieben hat sowie 1 weitere sonstige Leistung erbracht hat, wird das als Fortgeschrittenenübung (großer Schein) im jeweiligen Rechtsgebiet anerkannt. So konnte ich durch mein Auslandsjahr meinen großen Zivilrechtsschein absolvieren. Schlüsselqualifikationen wie Verhandlungstechnik, Mediation etc werden auch angerechnet.

Finanzielles
Zum finanziellen Aspekt ist zu sagen, dass ich als Erasmus Student keine Studiengebühren zahlen musste, sondern lediglich für die Miete und Lebensunterhaltskosten aufkommen musste. (Was auch schon viel war, denn die Mietpreise haben es in sich…)

Dies ist jedoch nicht generell so geregelt. In England werden die Studiengebühren anhand dessen bemessen, wo man herkommt. So können die Studiengebühren je nach Herkunftsland stark variieren, selbst innerhalb Englands werden Abstufungen vorgenommen.

Fazit
Rückblickend kann ich ein Auslandssemester jedem Studenten nur empfehlen. Ich habe sehr positive Erfahrungen gemacht, wurde sehr gut betreut und habe tolle Leute kennengelernt. Die Professoren gingen sehr gut auf die internationalen Studenten ein, was jedoch auch manchmal unangenehm sein kann, wenn man immer wieder „herausgepickt“ wird um die Rechtslage in Deutschland oder so gegenüberzustellen. Es war zwar nicht immer leicht am Ball zu bleiben, was zum Teil wirklich an der Sprache lag. Selbst wenn man sehr sicher in der englischen Sprache ist, ist das keine Garantie dafür, dass man einen juristischen Text versteht.

Ich kann jetzt zwar nicht gerade behaupten, dass ich mir alles behalten konnte, was ich in diesem Jahr gelernt habe, aber ich habe zumindest einen Einblick in ein anderes Rechts- und Lehrsystem bekommen und konnte dadurch meinen Horizont wirklich erweitern. Das Auslandsjahr hat mich auch noch einmal in meiner Wahl des Studienfachs bestätigt und mir neue Motivation für mein Studium gegeben.

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