Manipulationsvorwürfe im Streaming-Markt : EU will regulieren

Die jüngste Sitzung des Europäischen Parlaments hat zu einem bemerkenswerten Beschluss geführt: Der Streaming-Markt in Europa soll einer strengeren Regulierung unterzogen werden. Dieser Schritt ist eine Antwort auf die wiederholten Manipulationsvorwürfe, die in letzter Zeit aufgekommen sind, und zielt darauf ab, die Vielfalt in diesem Sektor zu schützen.

In der Abstimmung stimmten 23 Mitglieder des Kulturausschusses des EU-Parlaments für neue, umfassende Regelungen im Bereich des Musik-Streamings, während nur drei dagegen stimmten und einer sich enthielt. Die Abgeordneten unterstrichen die Notwendigkeit eines faireren Umgangs mit Künstlern und Verbrauchern. Zudem soll ein kritischer Blick auf die seit Jahrzehnten bestehenden Vergütungsstandards geworfen werden, die noch vor dem digitalen Zeitalter eingeführt wurden und nun dringend einer Modernisierung bedürfen. Diese Entwicklungen signalisieren einen bedeutenden Schritt in Richtung einer gerechteren und transparenteren Streaming-Landschaft in Europa.

Darüber hinaus haben die Mitglieder des Europäischen Parlaments in ihrer jüngsten Sitzung die zunehmende Dominanz des Streaming-Sektors im Musikmarkt hervorgehoben, gleichzeitig aber auch die sinkende Wertschätzung der Musikproduktionen kritisiert. Trotz des bemerkenswerten Wachstums des Streaming-Sektors in den letzten acht Jahren und seiner Vorherrschaft im Musikgeschäft fehlt es laut den Parlamentariern an angemessenen Regulierungen.

Gerechte Einnahmenverteilung

Die Abgeordneten betonten, dass, obwohl die Zugänglichkeit von Musik durch verschiedene Streaming-Dienste erheblich gestiegen ist und illegale Inhalte weniger verbreitet sind, der Gesamtwert der Musikproduktionen rückläufig ist. Dies führt zu einer Verschärfung der Situation im Musikmarkt.

Eine wesentliche Ursache dafür sehen sie in der ungleichen Verteilung der Einnahmen: Während wenige große Musikverlage und populäre Künstler den Löwenanteil der Profite einstreichen, werden kleinere und weniger bekannte Künstler trotz Appellen und Forderungen nach fairerer Behandlung weitgehend ignoriert. Diese Problematik unterstreicht die Notwendigkeit, den Streaming-Markt nicht nur zu beobachten, sondern auch aktiv zu regulieren, um eine gerechtere Verteilung der Einnahmen und eine größere Vielfalt im Musikgeschäft zu fördern.

In den letzten Jahren haben sich besorgniserregende Trends in der digitalen Medienlandschaft gezeigt. Ein wachsendes Problem stellt die Manipulation von Sichtbarkeit und Reichweite durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz und Bots dar. Diese Praktiken umfassen das künstliche Aufblähen von Streaming-Zahlen, wodurch Inhalte eine höhere Präsenz und Bekanntheit erhalten, ohne dass diese von echten Nutzern generiert wurden. Der Einsatz solcher Techniken wurde von verschiedenen Gremien, einschließlich politischer Ausschüsse, kritisiert.

Die Situation ist nicht neu und wurde bereits im August 2020 vom Bundesverband Musikindustrie (BVMI) adressiert. Der BVMI erzielte gerichtliche Erfolge gegen mehrere Dienste, die solche manipulativen Praktiken anboten. Darüber hinaus tritt das sogenannte Payola-System immer mehr in den Vordergrund. Hierbei werden gegen Bezahlung bestimmte Musiktitel in Playlisten bevorzugt platziert, was zu einer ungleichen Verteilung der Sichtbarkeit führt. Künstler, die sich diese Dienste nicht leisten können, bleiben oft im Schatten dieser manipulierten Popularität. Diese Entwicklungen werfen wichtige Fragen über Fairness und Echtheit in der digitalen Medienwelt auf.

Das Musik-Streaming-Paradoxon

Das Dilemma, mit dem die Musikindustrie im Zeitalter des Streamings konfrontiert ist, wurde vom Europaabgeordneten Ibán García Del Blanco hervorgehoben. Er betont, dass trotz der Popularität und des Erfolgs von Musik-Streaming-Diensten ein Paradoxon besteht: Viele Künstler, selbst solche mit hohen Streaming-Zahlen, können nicht von ihrer Kunst leben. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, die gegenwärtigen Geschäftsmodelle der Streaming-Plattformen zu überdenken. Del Blanco fordert eine Anerkennung der Rolle von Urhebern und Künstlern und eine Überprüfung der Einnahmenverteilung durch die Streaming-Dienste. Ziel ist es, gerechtere und effektivere Lösungen zu finden, die nicht nur die Künstler unterstützen, sondern auch die kulturelle Vielfalt fördern. Diese Herausforderung beleuchtet die Notwendigkeit einer Balance zwischen der Profitabilität von Streaming-Diensten und einer fairen Vergütung für die Schöpfer von Inhalten.

Mehr Transparenz und Fairness

Letzten Endes sollen Maßnahmen ergriffen werden, um die Transparenz und Fairness in der Musik-Streaming-Branche zu erhöhen. Die Abgeordneten möchten, dass die EU-Kommission Gesetzesvorschläge einbringt, die den gegenwärtigen Herausforderungen in der Industrie entgegenwirken. Ein zentraler Punkt dieser Vorschläge ist die Forderung, dass bekannte Streaming-Dienste wie Spotify, Deezer, Napster, Apple Music und Amazon Music ihre Algorithmen und die Funktionsweise ihrer Empfehlungssysteme offenlegen. Dies zielt darauf ab, die Erstellung von Abspiellisten transparenter zu gestalten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die korrekte Kennzeichnung von Rechteinhabern durch präzise Metadaten, um Betrug und Missbrauch zu verhindern. Zudem sollen Inhalte, die ausschließlich durch künstliche Intelligenz erstellt wurden, deutlich als solche gekennzeichnet werden.

Neben diesen technischen Maßnahmen appellieren die Parlamentarier auch an eine stärkere Förderung der europäischen Musikszene und der weniger bekannten Musikgenres, um die kulturelle Vielfalt zu bereichern. Außerdem sollen Künstler und Urheber besser bei der digitalen Transformation ihrer Geschäftsmodelle unterstützt werden. Diese Vorschläge bilden einen umfassenden Maßnahmenkatalog, um die Musikindustrie gerechter und vielfältiger zu gestalten.

Die Vorgehensweise des EU-Parlaments unterstreicht einmal mehr die Bemühungen für einen fairen Wettbewerb und regulierte Märkte innerhalb Europas.

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