LG Coburg: Zur Pflicht der Straßenbaubehörde, auf die Gefahr von Wildwechseln mit Schildern hinzuweisen

Kurzfassung

In Waldgebieten muss man als Kraftfahrer immer mit Tieren auf der Straße rechnen. Fehlende Hinweisschilder auf „Wildwechsel„ begründen daher nur in Ausnahmefällen eine Haftung der zuständigen Behörden für Wildunfälle.

Das entschied nun das Landgericht Coburg und wies die Klage eines Autofahrers gegen einen Landkreis auf Schadensersatz in Höhe von knapp 4.000,- DM ab. Warnschilder seien nur an besonders gefährlichen, schwer erkennbaren Wildwechseln erforderlich – nicht aber in jedem Waldstück schlechthin.

Sachverhalt

Der klagende Autofahrer hatte eine unliebsame Begegnung mit einem Reh behauptet. Für den Blechschaden von 4.000,- DM wollte er den Landkreis als zuständigen Träger der Straßenbaulast haftbar machen. In dem Waldstück seien nämlich schon öfters Fuchs, Hase & Co. in direkten Kontakt zur motorisierten Außenwelt getreten. Dass auf diese Gefahr nicht durch ein Verkehrsschild aufmerksam gemacht worden sei, stelle eine Verletzung der „Verkehrssicherungspflicht„ dar.

Gerichtsentscheidung

Das Landgericht Coburg sah es anders. Grundsätzlich müsse der Straßenbenutzer sich den gegebenen Verhältnissen anpassen. Nachdem Wild an jeder ländlichen Straße den Verkehr gefährden könne, habe sich der Verkehrsteilnehmer auch auf diese Gefahr einzustellen. Gerade in Waldstücken werde ein sorgfältiger Fahrer deshalb besonders vorsichtig und aufmerksam zu Werke gehen. Nur bei schwer erkennbarem und besonders großem Risiko – z. B. einem regelmäßigen und häufig benutzten Wildwechsel -bedürfe es der Aufstellung des Verkehrszeichens „Wildwechsel„. Dass ein solcher Sonderfall vorliege, habe der Kläger nicht einmal vorgetragen. Eine Pflichtverletzung des Landkreises sei somit nicht erkennbar.

Fazit

Ein Reh bricht aus dem Wald – auch weiterhin des Waidmanns Freud, des Autofahrers Leid