Faustformel Bremsweg: So einfach ist die Berechnung

Nicht nur in der Fahrschule, sondern vor allem im späteren Alltag spielt der sogenannte Bremsweg beim Führen eines Fahrzeuges im Straßenverkehr eine große Rolle. Die richtige Berechnung muss nicht nur in der Führerscheinprüfung beherrscht werden, sondern kann bei einem Verkehrsunfall relevant werden, wenn es um die Mitverantwortung für einen Unfall geht.

Schafft man es die Begriffe Reaktions-, Anhalte- und Bremsweg auseinanderzuhalten, ist auch die Berechnung mit der einfachen Faustformel Bremsweg oder unseren praktischen Rechnern schnell und unkompliziert möglich.

I. Was ist der Bremsweg?

Die Begriffe Anhalte-, Reaktions- und Bremsweg können schnell verwechselt werden, müssen aber sauber getrennt und im Kontext zueinander verstanden werden. 

🚗Bremsweg
Bremsweg

Der Bremsweg ist die Distanz, die ein Fahrzeug, vom Zeitpunkt der Bremsbetätigung an, braucht, bis es endgültig zum Stehen kommt. Der Bremsweg ist damit ein Teil des sogenannten Anhaltewegs, der sich aus Reaktionsweg + Bremsweg zusammensetzt.

👁️Rektionsweg
Rektionsweg

Der Reaktionsweg ist die Distanz, die das Fahrzeug in der Zeit zurücklegt, die vergeht, nachdem der Fahrzeugführer die Gefahr erkannt hat und bevor er die Bremse betätigt. Die Länge dieses Weges ist von verschiedenen Faktoren abhängig, vor allem aber von der Reaktionsfähigkeit des Fahrers in der jeweiligen Situation.

🛑Anhalteweg
Anhalteweg

Der Anhalteweg meint die gesamte Strecke, die das Fahrzeug bis zum Stillstand braucht, nachdem der Grund zum Anhalten erkannt wurde. Er ist länger als der Bremsweg, da der Mensch eine kurze Zeit braucht, um auf eine Gefahr zu reagieren und der Bremsvorgang daher erst verzögert eingeleitet wird.

II. Faustformel Bremsweg

Für die drei verschiedenen Distanzen gibt es jeweils einfache Formeln, die eine schnelle Berechnung ermöglichen, allerdings als bloße Orientierung zu verstehen sind, da die tatsächlichen Wege unter realen Umständen deutlich länger sein können. [1]

So berechnet man den Bremsweg:

(Geschwindigkeit : 10) × (Geschwindigkeit : 10)

Wie lange ist der Bremsweg bei 100 km/h?

Unter normalen Bedingungen beträgt der Bremsweg bei 100 km/h etwa 100 Meter.

Rechnung: (100 : 10) x (100 : 10) = 10 x 10 = 100

Bremsweg berechnen
(Geschwindigkeit in km/h : 10) × (Geschwindigkeit in km/h : 10)
– m

So berechnet man den Reaktionsweg:

(Geschwindigkeit : 10) x 3

Wie lange ist der Reaktionsweg bei 100 km/h?

Unter normalen Bedingungen beträgt der Reaktionsweg bei 100 km/h rund 30 Meter.

Rechnung: (100 : 10) x 3 = 10 x 3 = 30

Reaktionsweg berechnen
(Geschwindigkeit in km/h : 10) × 3
– m

So berechnet man den Anhalteweg:

Bremsweg + Reaktionsweg

Wie lange ist der Anhalteweg bei 100 km/h?

Unter normalen Bedingungen beträgt der Anhalteweg bei 100 km/h rund 130 Meter.

Rechnung: 100 + 30 = 130

Anhalteweg berechnen
(km/h : 10) × 3 + (km/h : 10) × (km/h : 10)
– m

III. Was beeinflusst den Bremsweg?

Die oben genannten Berechnungen sind selbstverständlich nur Faustformeln, die unter realen Bedingungen zwar als Schätzungen dienen, durch verschiedene äußere Umstände aber deutlich von den tatsächlichen Distanzen abweichen können. Die Genauigkeit der Faustformel Bremsweg hängt in der Realität vor allem von äußeren Umständen, wie der Witterung oder dem Zustand des Fahrzeuges ab, während es beim Reaktionsweg meist auf die individuelle Konstitution des Fahrzeugführers ankommt.

1. Einflussfaktoren Bremsweg

1. Bremsanlage

  • Zustand der Bremsen hat direkten Einfluss auf die Bremswirkung

  • Regelmäßige Wartung wichtig (Beläge & Scheiben)

  • Schlechter Zustand kann Bremsweg deutlich verlängern

2. Reifen

  • Profiltiefe und Reifentyp beeinflussen die Haftung

  • Empfehlung: Reifen rechtzeitig wechseln, witterungsgerecht fahren

3. Wetter & Fahrbahnzustand

  • Nässe, Schnee, Eis, Schmutz oder lockerer Untergrund verringern die Bodenhaftung

  • Ergebnis: Der Bremsweg wird länger

  • Empfehlung: Geschwindigkeit anpassen und erhöhten Sicherheitsabstand halten

4. Steigung / Gefälle

  • Steigung = Bremsweg kürzer

  • Gefälle = Bremsweg länger

  • Empfehlung: Bei Gefälle immer mehr Abstand lassen

2. Einflussfaktoren Reaktionsweg

1. Kognitive Fähigkeiten des Fahrers

Reaktionsschnelligkeit wird beeinflusst durch…

  • Alter
  • Krankheit
  • Müdigkeit
  • Alkohol- oder Drogenkonsum

2. Ablenkung

  • Smartphone am Steuer
  • Unterhaltungen mit Mitfahrern

Folgende Tabelle zeigt, wie unter Optimalbedingungen ein deutlich kürzerer Weg, als mit der Faustformel Bremsweg errechnet wird, gebraucht werden kann, bis das Fahrzeug zum Stehen kommt, was vor allem an modernen Bremssystemen liegt. Deutlich wird aber auch, dass Witterungsbedingungen den tatsächlichen Bremsweg mehr als verdreifachen können.

Fahrbahnzustand Bremsweg (ca.) bei 100 km/h Quelle
Trocken ≈ 50 m (Praxiswert) ADAC
Nass / Regen ≈ 70–80 m Bundesanstalt für Straßenwesen
Schnee ≈ 180–200 m TÜV Süd
Eis / Glatteis ≈ 300–380 m Deutscher Verkehrssicherheitsrat

IV. Faustformel Bremsweg: Rechtliche Bedeutung

Besonders relevant wird die Faustformel Bremsweg in der Praxis immer dann, wenn es zu einem Verkehrsunfall, insbesondere Auffahrunfällen, kam. Bei der Frage der Haftung und des Mitverschuldens ist entscheidend, ob der Fahrer den nötigen Mindestabstand eingehalten hat, denn hat er dies nicht, kann sich sein eigener Anspruch kürzen beziehungsweise erhöht sich der Schadensersatzanspruch des anderen Beteiligten, je nach Grad seines Verschuldens. Wie groß der Sicherheitsabstand mindestens sein musste, kann sich am Bremsweg orientieren.

In § 4 Straßenverkehrsordnung (StVO) ist nicht die Faustformel Bremsweg, sondern ein Sicherheitsabstand, der mindestens zwischen Fahrzeugen gehalten muss, geregelt. Dieser muss groß genug sein, damit der Fahrer bei unerwartetem Bremsen des vorausfahrenden Autos noch gefahrlos bremsen kann. Es gilt die Faustformel „halber Tacho”, was bei hohen Geschwindigkeiten zu einer deutlich kürzeren Distanz als dem Anhalteweg nach oben genannter Formel liegt, weil davon ausgegangen wird, dass das vordere Fahrzeug nicht abrupt zum Stehen kommt. [2]

Faustformel Bremsweg
§ 4 StVO und die Faustformel Bremsweg dienen vorrangig zur Verhinderung von Auffahrunfällen.

V. Fazit

Die Faustformel Bremsweg ist ein wichtiger Anhaltspunkt, um im Straßenverkehr Unfälle zu vermeiden, sollte allerdings auch als solcher verstanden werden, denn in der Praxis können viele äußere Einflüsse die tatsächliche Dauer bis zum Stillstand des Fahrzeuges deutlich verlängern. Umso wichtiger ist es daher, die verschiedenen Einflussfaktoren zu kennen und seine Fahrweise entsprechend anzupassen.

Mit unseren praktischen Rechnern sollte die Berechnung in der Fahrschule und in der Praxis einfach gelingen.

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VI. FAQ zur Faustformel Bremsweg

Der Bremsweg ist die Strecke, die ein Fahrzeug vom Moment des Betätigens der Bremse bis zum vollständigen Stillstand zurücklegt. Er ist Teil des Anhaltewegs und hängt stark von Geschwindigkeit, Fahrzeugzustand und Fahrbahnbedingungen ab.

Zur einer groben Einschätzung wird die Faustformel verwendet:
Bremsweg = (Geschwindigkeit : 10) × (Geschwindigkeit : 10) verwendet.
Mit unserem Rechner kann die Distanz einfach ausgerechnet werden.

Der Bremsweg wird länger durch äußere Einflüsse. wie eine nasse, verschmutzte oder vereiste Fahrbahnen und Gefälle, sowie Abnutzung von Bremsen oder Reifen beim Fahrzeug. Moderne Bremssysteme können den Bremsweg hingegen verkürzen.

Der Reaktionsweg entsteht, bevor überhaupt gebremst wird.
Der Bremsweg beginnt erst mit dem Tritt aufs Bremspedal.
Der Anhalteweg ist die Summe aus beidem und reicht von der Gefahrenerkennung bis zum Stillstand des Fahrzeugs.

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Max Scherer

Jurawelt Redaktion

Max Scherer

Studium:

  • Student der Rechtswissenschaften an der Universität Augsburg
  • Schwerpunktbereich: Kriminalwissenschaften
  • Auslandsaufenthalt am Chicago-Kent College of Law (USA)

Jurawelt:

  • Redakteur & Studentischer Mitarbeiter
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